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Stellungnahme der BI Verkehrsentlastung Fürth-Nord eV. zum VEP* der Stadt Fürth

Stadt Fürth
z. H. Stadtbaurätin
Frau Christine Lippert
Technisches Rathaus
Hirschenstraße 2
90762 Fürth

Sehr geehrte Frau Lippert,

vorab ist von unserer Seite festzustellen, dass wir mit Sicherheit nicht in der Lage sind, die zum Teil tiefgreifenden verkehrsplanerischen Fragen zu beantworten, geschweige, die politische Strategie zukünftiger Verkehrspolitik der Stadt Fürth zu bestimmen. Wir können uns nur darauf beschränken, die derzeitigen Verkehrsmiss-stände im Fürther Norden aufzuzeigen und dafür Lösungen im zukünftigen VEP der Stadt Fürth zu erreichen.

Fürth hat sich in den zurückliegenden Jahrzehnten sowohl städtebaulich, kulturell und wirtschaftlich rasant zu einer lebenswerten Stadt entwickelt. Das zeigt sich vor allem an dem enormen Einwohnerzuwachs.

Auch die Wirtschaft und die damit einhergehende Zunahme der Arbeitsplätze sind positiv zu bewerten.

Dieser wirtschaftliche Zuwachs hat jedoch gravierende Auswirkungen auf den Fürther Norden hinsichtlich massiver Zunahme von Schwerlastverkehr mit der Folge von Lärm und Abgasen für die betroffenen Anwohner. Bei der Ansiedlung von Firmen in den Vororten von Fürth wurde die dazugehörige Infrastruktur völlig außer Acht gelassen. Der Schwerlast- und Durchgangsverkehr muss sich, zum Teil verkehrsgefährdend, durch die engen historischen alten Straßen zwängen.

Auch die seit Jahrzehnten erfolgte Ausweisung von Baugebieten in Vach und Stadeln, sowie im Landkreis Fürth, ohne Schaffung von neuer Verkehrsinfrastruktur, hat zu diesem massiven Verkehrszuwachs beigetragen.
Wir als Bürgerinitiative vertreten ca. 500 Mitglieder und viele Bewohner im Fürther Norden, die sich durch den unzumutbaren, gefährlichen Straßenverkehr mehr als belästigt fühlen.

Der Verkehrsentwicklungsplan muss sicherstellen, dass bei den Erhebungen der Verkehrszahlen Methoden angewandt werden, die mit denen in der Verkehrsuntersuchung des staatlichen Straßenbauamtes (7. Staatsstraßenausbauplan), für den Fürther Norden, vergleichbar sind.

Wir möchten schon jetzt darauf hinweisen, dass, obwohl es sich um ein Gesamtverkehrsgutachten handelt, eine einzelne Maßnahme nicht das Aus, oder das Stoppen von wichtigen Maßnahmen - wie die Verkehrsentlastung im Fürther
Norden - zur Folge haben kann.

Grundlage des Verkehrsgutachtens des Freistaates Bayern von 2012 ist immer der Analysefall 2010. Dieser Analysefall muss beim zu vergebenden Gutachten auf das Jahr 2015 bezogen, d.h. aktualisiert werden. Als Basis dafür sind tatsächlich zu messende Verkehrszählungen an den neuralgischen Verkehrsbrennpunkten im Fürther Norden durchzuführen und zugrunde zu legen.

Missstände im Fürther Norden

Fischerberg Stadeln und Stadelner Hauptstraße:

Bereits heute quält sich täglich eine Kolonne aus PKW und Schwerlastverkehr von der Mainstraße und der Vacher Straße kommend Richtung Fischerberg. Der Stau im morgendlichen Berufsverkehr reicht von der Kreuzung am Fischerberg über den Wiesengrund nach Atzenhof!
Die Zunahme des Schwerlastverkehrs ist zum Teil der Ansiedlung von Logistikunternehmen wie Mercedes, Nordfrost, Norma, Ebl, Würth, etc., dem Hafengebiet Fürth und Nürnberg mit Containerlieferungen und Ansiedlung der Fa. DHL und Hermes zuzurechnen, da keine neue Erschließungsstraße für diese Firmen in Richtung Norden (AB-Anschlussstelle Eltersdorf) gebaut wurde. Der Verkehr fließt auf seit Jahrzehnten bestehenden Straßen direkt durch Stadeln, Mannhof und Vach.

Herboldshofer Straße:

Die Herboldshofer Straße ist Richtung Kreuzung Stadelner Hauptstraße ebenfalls täglich völlig überlastet. Der Stau reicht zum Teil im Berufsverkehr weit über die Einmündung der Steinacher Straße zurück. Anwohner der Herboldshofer Straße brauchen nach Aussagen bis zu 20 Minuten, um in die eigenen Grundstücke zu gelangen. Deshalb ist hier zusätzlich zu untersuchen, inwieweit sich die Ansiedlung der Fa. Höffner und Kibeck im Osten und der gleichzeitige neu gebaute Autobahnanschluss Steinach auf den Ost-West Verkehr auswirkt.

Mannhofer Straße – Brückenstraße:

Hier reicht der tägliche Verkehrsstau am Morgen von der Kreuzung Mannhofer-
Straße/Stadelner Hauptstraße über den Wiesengrund, den Vacher Markt bis zur Obermichelbacher Straße.
Am Abend zieht sich die Verkehrslawine von Erlangen kommend Richtung Vach, Landkreis Fürth und auch Richtung Stadeln. Bei den Anwohnern ist an ein geöffnetes Fenster und an einen erträglichen Aufenthalt in ihren Gärten nicht mehr zu denken. Lärm und Abgase sind wegen der beengten Straßenverhältnisse und Dauerstau unerträglich geworden. Seit Ansiedlung der Fa. Höffner staut sich der Verkehr immer öfter auch aus Herboldshof kommend Richtung Kreuzung Stadelner
Hauptstraße bis zum Wasserwerk Mannhof zurück.

Herzogenauracher Straße:

Die Herzogenauracher Straße in Vach wird immer mehr sowohl durch PKW als auch Schwerlastverkehr in Anspruch genommen. Staus sind an der Tagesordnung, zum Teil bis zur Trogbrücke des Main-Donau-Kanals. Als Nadelöhr erweist sich der Vacher Markt, da die Herzogenauracher Straße in die vorfahrtsberechtigte Vacher Straße mündet, die, wie bereits oben erwähnt wurde, sehr stark befahren ist.

Obermichelbacher Straße:

Hierbei ist der tägliche Pendelverkehr aus dem Landkreis Richtung Erlangen und Fürth das Problem. Anwohner der Obermichelbacher Straße berichten uns, dass sie sehr schwer aus ihren Grundstücksausfahrten herausfahren können, da die Fahrzeuge sehr schnell Richtung Vach unterwegs sind. Die Bewohner müssen sich oft unter großer Gefahr in die Straße stellen, um die Autofahrer zu stoppen bzw. zum Langsamfahren zu zwingen, um die Angehörigen heraus zu lotsen. Der Landkreis Fürth weist immer neue Wohn- und Gewerbegebiete (aktuell in Veitsbronn) aus, einhergehend mit zunehmendem PKW- und Schwerlastverkehr, der nach Osten und Norden nur durch Vach und Mannhof, mangels leistungsfähiger Süd-Nord-Trasse, geführt werden kann. Ritzmannshof und Rothenberg sind ebenfalls heute schon vom Durchgangsverkehr stark belastet.

Erarbeiten von Leitlinien und Zielvorstellungen:

Die verkehrlichen Lösungen zur Entlastung der Fürther Nordens müssen mindestens dazu geeignet sein, den Straßenverkehr in derselben Größenordnung wie im Planfall F aus dem Gutachten des Freistaates Bayern (VU Erlangen-Fürth-Herzogenaurach) zu reduzieren. Dabei müssen neue Entwicklungen im Strassennetz, wie die Südumfahrung Herzogenaurch, berücksichtigt werden.

Die Lärmbelastung hinsichtlich des Straßenverkehrs muss für die Anwohner an den Ortsdurchfahrten im Fürther-Norden auf ein erträgliches Maß reduziert werden. Daher sollte sich die Stadt Fürth das Ziel setzen, ein Bündel an verkehrlichen Maßnahmen (Umgehungen, ÖPNV-Verbesserung, Radwegebau etc.) zu entwickeln, um dieses Lärmniveau zu erreichen.

Zu berücksichtigen sind zudem die Auswirkungen des prognostizierten weiter zunehmenden Güterschwerlastverkehr.

Analyse des Zustandes und der Entwicklungen:

Zentrales Planungsinstrument für die Straßenverkehrsplanung muss ein aus allen verwertbaren Daten und eigenen Erhebungen generiertes Verkehrsplanungsmodell für das gesamte relevante Straßennetz im Fürther Stadtgebiet sein. Dazu müssen in das Modell die Verkehrserzeugung im Stadtgebiet, sowie die Durchgangsverkehre
(Landkreis Fürth und überörtlichen Gebieten, wie Ansbach, Herzogenaurach, Erlangen-Höchstadt etc.) bzw. ein- und ausstrahlende Verkehre einfließen. Es ist zu untersuchen, wo der Verkehr -getrennt nach PKW- und Schwerlastverkehr – her-
kommt bzw. hinführt.

Einfallstraßen sind die Südwesttangente, die Mainstraße, Obermichelbacher Str., Herzogenauracher Straße, Stadelner Hauptstraße aus Richtung Erlangen sowie die Herboldshofer- und Mannhofer Straße -aus Osten kommen-.

Wie bereits oben erwähnt wurde, müssen als Basis für den Analysefall 2015 aktuelle Verkehrszählungen (getrennt nach PKW, Schwerlastverkehr und auch Motorräder) an folgenden Straßen durchgeführt werden:
Fischerberg, Stadelner Hauptstraße (Richtung Erlangen und Mannhof), Herbolds-
hofer Straße in Stadeln, Mannhofer Straße (gesamt, d. h. von Herboldshof bis Kreuzung Stadelner Hauptstraße, und von der Kreuzung Mannhof bis Verlängerung Brückenstraße zum Vacher Markt), Vacher Straße Obermichelbacher Straße, Herzogenauracher Straße, Main- und Stadelner Straße (Atzenhof).

Diese Zahlen sind dann die Grundlage für den Analysefall 2015.

Bei all diesen Maßnahmen ist nicht außer Acht zu lassen, wie sich die geplanten Maßnahmen – Ortsumgehung Neuses/Niederndorf und Ortsumgehung Eltersdorf -auf die Ortsteile im Fürther Norden (vor allem Vach und Mannhof) auswirken.

Ein weiteres zentrales Problem in Fürth bereitet das oft mehrmals im Jahr stattfindende Hochwasser, das schon bis zu 12 Tage angedauert hat. Die Regnitz teilt das Stadtgebiet Fürth in eine Ost- und Westseite, die bei Hochwasser nur durch zwei hochwasserfreie Talübergänge (Billinganlage und Brückenstraße Vach – Mannhof) miteinander verbunden sind. Wenn der Fischerberg gesperrt ist, muss der gesamte Verkehr (mind. 25.000 Fzg./Tag) durch Vach und Mannhof geleitet werden. Dies ist nur mit Hilfe der Polizei möglich, da das Verkehrschaos sonst überhaupt nicht zu bewältigen ist. Für die Anwohner und auch die Pendler ist dies eine unerträgliche Situation!

Aufgrund des Klimawandels mit weiter steigenden Starkregenfällen ist eine verschärfte Hochwasserlage zu erwarten und damit ein weiterer hochwasserfreier Talübergang zwingend erforderlich.

Schlussendlich muss eine zukünftige Stadtentwicklung (Ausweisung von Gewerbe-/Wohngebieten) nur im Einklang mit einer Verkehrsplanung stattfinden, d.h. keine Ausweisung von Gewerbe-/Wohngebieten ohne Verkehrsgutachten.

Sehr geehrte Frau Lippert, unsere Stellungnahme zum VEP hat im Wesentlichen drei Gründe:

  1. Alle Verantwortlichen des Verkehrsentwicklungsplanes sollen unsere Vorstellungen/Forderungen hinsichtlich VEP voll umfänglich kennen.
  2. Wir halten es nicht für sinnvoll bei jedem Workshop unsere Vorstellungen/Forderungen einzufordern und zu vertreten.
  3. Losgelöst von unseren Vorstellungen/ Forderungen werden wir weiterhin konstruktiv und lösungsoffen am VEP in den Workshops mitarbeiten.

Mit freundlichen Grüßen

Karl Finzel - 1. Vorsitzender
Astrid Patzl - 2. Vorsitzende
Rudi Haller - 3. Vorsitzender

 

*VEP = Verkehrsentwicklungsplan